Der Kiebitz in Aachen – im Spannungsfeld mit Landwirtschaft und Windenergie

Kiebitz (Vanellus vanellus) – Foto: Ulrich Schwenk

Umwelt / Vögel / Windenergie

05.Juni 2026 Pressemitteilung NABU Stadtverband Aachen

Der Kiebitz in Aachen – im Spannungsfeld mit Landwirtschaft und Windenergie

Der Kiebitz (Vanellus vanellus) zählt zu den charakteristischen Vogelarten der offenen Agrarlandschaft. In Nordrhein-Westfalen wird er auf der Roten Liste als stark gefährdet geführt. Seine Entwicklung steht exemplarisch für den allgemeinen Rückgang vieler Arten der Agrarlandschaft. Wie in vielen Teilen Nordrhein-Westfalens sind die Bestände des Kiebitzes auch in der Stadt Aachen und der StädteRegion Aachen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen.

Erfassungen zeigen, dass im Stadtgebiet Aachen Mitte der 1990er Jahre noch etwa 60 bis 80 Reviere vorkamen. Im Jahr 2016 konnten hingegen nur noch 11 Reviere festgestellt werden.  In der übrigen StädteRegion Aachen verringerte sich die Zahl der bekannten Brutpaare im ähnlichen Zeitraum von etwa 40 auf zuletzt 7 bis 8 Reviere (2025).

Als wesentliche Ursachen des Bestandsrückgangs gelten Veränderung und Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung, der Verlust geeigneter Lebensräume sowie Störungen innerhalb der Agrarlandschaft. Seit vielen Jahren ist aber auch der Bau von Windkraftanlagen für den Kiebitz zum Problem geworden: Ehemals besiedelte Bereiche der Agrarlandschaft sind nach der Errichtung der Windkraftanlagen in den 1990er Jahren bei Orsbach vom Kiebitz geräumt worden. Denn der Kiebitz hat ein auffälliges und imposantes Balzverhalten, das der Paarbildung dient. Hierzu fliegt er viele dutzende Meter in die Höhe und seine Rufe hallen durch die Landschaft. Der Kiebitz meidet Windparks, insbesondere die Bereiche zwischen den Anlagen und jede Anlage verkleinert unwiderruflich seinen Lebensraum.

Heute brütet der Kiebitz überwiegend auf Ackerflächen mit geringer Vegetationshöhe zur Brutzeit von März bis Anfang Juni, beispielsweise auf noch nichtbestellten Mais- oder Rübenäckern. Bodenbearbeitungen während der Brut- und Aufzuchtzeit können dabei zum Verlust von Gelegen und Jungvögeln führen. Seit vielen Jahren engagiert sich die NABU-Naturschutzstation Aachen für den Kiebitzschutz in Aachen und das mit Erfolg: In guter Zusammenarbeit mit vielen Landwirten konnten wir zahlreiche Gelege vor der Zerstörung bewahren und viele Jungvögel bei der Bewirtschaftung schützen. Manch ein Landwirt hat sogar sogenannte Feldvogelinseln eingerichtet, kleine, nicht bestellte Ackerflächen, auf denen die noch nicht flüggen Jungvögel Deckung und Insekten als Nahrung zwischen Wildkräutern finden. „Durch die intensiven Schutzbemühungen konnte der Rückgang gestoppt werden und der Brutbestand erhöhte sich bis 2026 auf 20-22 Reviere.“ freuen sich Dr. Manfred Aletsee und Alexander Terstegge von der NABU-Naturschutzstation Aachen. Doch die Zukunft sieht nicht rosig aus. „Die aktuell positive Entwicklung wird von der Planung zu Windkraftanlagen und Infrastrukturmaßnahmen in den Schwerpunktgebieten der Kiebitze überschattet“, so der Vorsitzende des NABU-Stadtverbandes Aachen Ulrich Schwenk.

Denn insgesamt brüten die Tiere nur in nennenswerter Zahl an drei Standorten in der Stadt und StädteRegion Aachen: Aktuelle Schwerpunkte befinden sich im Bereich Orsbach/Ochsenstock, zwischen Vetschau und Horbach sowie bei Birk im Raum Würselen. Diese drei Schwerpunktvorkommen besitzen aufgrund der insgesamt rückläufigen Bestandsentwicklung inzwischen eine besondere landesweite Bedeutung für den Erhalt der Art im südwestlichen Rheinland. „Eingriffe wie z.B. Baumaßnahmen  in den wenigen Kiebitz-Hotspots werden aus Naturschutzsicht entsprechend auch klar abgelehnt und rechtliche Konsequenzen gegebenenfalls geprüft.“ so Ulrich Schwenk. In der Stadt Aachen gibt es zum Beispiel Flächen, wo der Ausbau der Windenergie wesentlich unproblematischer ist, wie der NABU in seiner Stellungnahme schon 2023 ausgearbeitet hat.

Die erfolgreichen Schutzbemühungen werden nur nachhaltig sein, wenn die Politik entsprechende naturschutzfachliche Einschätzungen zum Ausbau der Windenergie ernst nimmt.

Kontakt: Ulrich Schwenk, NABU Stadtverband Aachen, 1. Vorsitzender, Tel. 0175-1819191

Kiebitz (Vanellus vanellus) – Foto: Alexander Terstegge

Kiebitzküken, sogenannte Pullis, kurz nach dem Schlupf. Diese beiden sind 2026 bei Aachen-Vetschau erfreulicherweise flügge geworden (Foto: Alex Terstegge).

Kiebitz (Vanellus vanellus) – Foto: Lukas Oßmann

Der Kiebitz ist der Charaktervogel unserer Ackerlandschaft und steht stellvertretend für eine Vielzahl an Tierarten wie z.B. auch Rebhuhn oder Feldlerche. (Foto: Lukas Oßmann)

Das Positionspapier des NABU Aachen Stadt zu Windenergieanlagen in Aachen vom Juni 2023

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