Schleiereule

Schleiereule

Die Schleiereule wählt ihre Brutplätze innerhalb menschlicher Siedlungen. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung für uns, um diese in unmittelbarer Nähe des Menschen brütende, dennoch aber empfindliche Vogelart, zu erhalten.

Brutkasten mit vier fast flüggen Schleiereulen in der Gassmühle im Senserbachtal. Foto: W. Hillmann.

Name und Verwandtschaft
Die Schleiereule (Tyto alba) besitzt aufgrund zahlreicher morphologischer Besonderheiten eine systematische Sonderstellung: Sie wird als eigene Familie der Schleiereulen (Tytonidae) den übrigen Eulen gegenüber gestellt.

Kennzeichen
Äußerlich lässt sich die Schleiereule bereits durch ihren herzförmigen, weißen Gesichtsschleier von allen übrigen Eulen gut unterscheiden. Auch ihre Federn und Zehen sind verschieden. Ohrfedern fehlen, die Augen sind relativ klein und schwarz, die Gefiederunterseite weiß bis gelbbraun und ungefleckt.

Nahrung
Schleiereule erbeuten hauptsächlich Kleinsäuger wie Feld- und Spitzmäuse, seltener Vögel und vereinzelt Amphibien, Reptilien und Großinsekten. Unverdauliche Nahrungsbestandteile (Knochen, Haare) werden in Form von so genannten Gewöllen ausgewürgt.

Lebensraum
Die Kombination von geeigneten Brutplätzen und günstigem Jagdgebiet ist für die Auswahl eines passenden Lebensraums ausschlaggebend. Einzeln stehende, exponierte Gebäude (z.B. Kirchtürme und Scheunen) werden als Brutplatz bevorzugt. Zur Jagd sucht die Schleiereule offenes Gelände auf, wie beispielsweise am Rand von Siedlungen oder entlang von Straßen und Wegen.

Fortpflanzung
Die Schleiereule brütet in Abhängigkeit von Mäuse-Gradationsjahren ab Ende März, meist jedoch erst Anfang Mai. Nach 30 bis 34 Tagen schlüpfen die jungen Eulen aus den länglichen weißen Eiern. Mit 11 bis 14 Tagen öffnen sie ihre Augen und verlassen nach etwa 60 Tagen das Nest. Zweitbruten und gelegentlich auch Drittbruten – je nach Mäusejahr – konnten nachgewiesen werden.

Verbreitung
Die Schleiereule ist in fast allen Regionen der Erde verbreitet (annähernd holarktisch). Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis zur borealen Zone und nach Süden bis in die Tropen und in Wüstengebiete. In Mitteleuropa ist sie ein verbreiteter Brutvogel tief gelegener, relativ waldarmer Siedlungsgebiete.

Gefährdung
Die Schleiereule ist in hohem Maße von Bewirtschaftungsformen in der Agrarlandschaft abhängig, mit denen Kleinsäugerbestände in engerem Zusammenhang stehen. Die in den letzten Jahren deutlich gestiegene Anwendung von Rodentiziden (Pestizide gegen Nagetiere) lässt zunehmende Gefährdungen befürchten. In der Vergangenheit sind Brutplätze oftmals durch Abbruch, oder im Zuge von Sanierungsmaßnahmen an Kirchen, Scheunen und Dächern verloren gegangen. Zudem gibt es eine recht hohe Anzahl an Verkehrsopfern.

Die Schleiereule in Aachen
40 Jahre lang hatte die Schleiereule nicht in Aachen gebrütet, ehe sie 2005 wieder festgestellt werden konnte. Die aktuellen Vorkommen (2017 wurden sieben Brutpaare und elf Bruten festgestellt) stehen in direktem Kontakt mit der südlimburgischen Population, die sich in den letzten 20 Jahren durch intensive Schutzbemühungen deutlich vergrößert und stabilisiert hat. Die Ansiedlung auf der deutschen Seite ist ebenfalls in direktem Zusammenhang mit dem Anbringen von Nistkästen zu sehen. Seit der Wiederbesiedelung im Jahr 2005 (2005: vier Bruten, 2006: eine Brut) sind in Aachen trotz der geringen Populationsstärke und naturbedingter starker Schwankungen durchgehend Bruten nachgewiesen worden. Die Stabilisierung der lokalen Population ist in erster Linie ein Erfolg des intensiven Einsatzes von Ehrenamtlichen des NABU Aachen.

Forderungen zum Schutz
Eine reich strukturierte Kulturlandschaft mit reduzierter Ausbringung an Bioziden ist die Grundvoraussetzung für eine stabile Schleiereulen-Population. Sie käme gleichzeitig vielen anderen Arten der offenen Feldflur zugute. Weiterhin ist eine aktive Förderung durch Anbringung von Brutkästen in geeigneter Lage für den Erhalt dieser faszinierenden Eulenart notwendig.