Biodiversität in der Ackerlandschaft

Biodiversität in der Ackerlandschaft

„Allerweltsarten“ wie Kiebitz, Rebhuhn und Feldlerche (auf diesem Bild zu sehen) sind in Agrarlandschaften bundesweit deutlich seltener anzutreffen als noch vor wenigen Jahren. Foto: NABU/Ursula Doll

Feldvögel

Die Feldvögel (Acker- und Wiesenvögel) sind die am meisten gefährdete Artengruppe innerhalb der mitteleuropäischen Vogelfauna – sie finden sich überproportional häufig in der Roten Liste wieder. Wie zahlreiche Untersuchungen belegen, ist der Niedergang der Feldvögel der Wiesen- und Ackerlandschaften in unmittelbaren Zusammenhang mit der Intensivierung der Landwirtschaft zu bringen.

Der Verlust von Hecken, Baumgruppen, Brachflächen und Feldrainen, die Zunahme des Energiepflanzenanbaus (Mais- und Rapsanbau) und der weiter zunehmende Einsatz von Pflanzenschutzmitteln tragen wesentlich dazu bei. Riesige Flächen mit blühendem Raps sind zwar zunächst hübsch anzusehen, stehen Rebhuhn, Feldlerche und den anderen Vögeln der Agrarlandschaft als Brutrevier und zur Nahrungssuche aber nicht zur Verfügung. Die dichte Vegetation und intensiver Pflanzenschutzmitteleinsatz verhindern dies.

Dabei könnte man zumindest die Situation für die Vögel der Ackerlebensräume durch einfache Maßnahmen verbessern – wie die Anlage von Stilllegungsflächen, Hecken, Ackerrandstreifen und Blühflächen sowie der Verzicht auf den Umbruch der Felder unmittelbar nach der Ernte und die deutliche Reduzierung der Pflanzenschutzmittel, allen voran Round up (Glyphosat), aber auch eine ausgewogene Fruchtfolge wären wichtige Schritte, der Artenvielfalt wieder eine Chance zu geben.

Feldhamster (Cricetus cricetus

Der in Deutschland heimische Feldhamster gehört mit einer Körpergröße von 20 bis 35 Zentimetern und einem Gewicht von 200 bis 500 Gramm zu den Riesen unter unseren Nagetieren. Charakteristisch für den Feldhamster ist sein ausgesprochen buntes, weiches Fell, ein schwarzer Bauch und auffällig braun-gelb gefleckte Flanken. Auch seine langen Zähne und seine knuffige Nase sind Hamsters Markenzeichen. Feldhamster sind typische Bewohner der Ackerlandschaften. Sie leben in einem weit verzweigten Gang- und Höhlensystem bis zu einem Meter unter der Erde. Dort hausen sie außerhalb der Paarungszeit allein. Jeder Hamster besitzt seinen eigenen Bau, den er vehement gegen seine Artgenossen verteidigt.

Früher gehörte der Feldhamster zu den häufigsten Kleinsäugern Deutschlands. Bis in die 70er Jahre wurde er sogar als Plage mit allerlei Gift bekämpft. Doch nicht nur direkte Verfolgung hat dem Hamster einen Spitzenplatz auf der Roten Liste beschert. Die Intensivierung der Landwirtschaft hat die Lebensräume des Hamsters stark eingeschränkt. Große Ackerflächen, die nur noch selten von artenreichen Feldrainen und Hecken begrenzt werden, bieten dem Nager keine Deckung. Diesen eintönigen Feldern fehlt es auch an Wildkräutern, einer wichtigen Nahrungsquelle für den Hamster. Selbst der von Natur aus robuste und wehrhafte Hamster muss in dieser lebensfeindlichen Umgebung kapitulieren. Schließlich werden Lebensräume oft durch neue Baugebiete zerstört.

#NeueAgrarpolitik

Der NABU fordert  zusammen mit anderen Umweltschutzverbänden schon seit langem eine Umstellung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU. Derzeit fließen fast 40 Prozent des EU-Haushaltes, jährlich rund 60 Milliarden Euro, in die GAP. Doch die Subventionen an die Landwirte erfolgen nach einer pauschalen Flächenprämie – je mehr Fläche desto mehr Geld. Der Umweltschutz bleibt auf der Strecke. Um die Biodiversität der Ackerlandschaft zu retten und die Landwirtschaft fairer und nachhaltiger zu gestalten, sollten solche Landwirte, die naturverträglich wirtschaften, mehr finanzielle Unterstützung erhalten. Weitere Infos zur Agrar-Kampagne des NABU Bundesverbandes finden sie auch hier.