Efeu nicht von Bäumen entfernen

Ökologisch wertvoller Bewuchs

Durchtrennter Efeutrieb bei den Sieben Quellen (Foto: G. Maxam)

Durchtrennter Efeutrieb bei den Sieben Quellen (Foto: G. Maxam)

Aachen. Vermehrt fallen abgeschnittene Efeutriebe (Hedera helix) an Baumstämmen im Stadtgebiet auf. So beobachtete bspw. Helmut Kreusch, Ansprechpartner für Botanik beim NABU-Stadtverband Aachen, armdicke, durchtrennte Efeutriebe in Sief und anderenorts. „Die Leute denken, sie tun den Bäumen etwas Gutes, dabei machen sie viel mehr kaputt als sie retten“, sagt Kreusch. So ist eine weit verbreitete Furcht, der Efeu  könne den Baum schädigen oder gar abtöten. Diese Sorgen sind jedoch unbegründet. Ganz im Gegenteil profitieren nicht nur die Bäume, sondern auch zahlreiche Tierarten von dem ökologisch hochwertigen Efeubewuchs.

Kinderstube und Nahrungsquelle

Die Efeu-Seidenbiene, die letzte im Jahreslauf noch fliegende Wildbienenart, ist auf den Efeu explizit angewiesen (Foto: U. Schwenk)

Die Efeu-Seidenbiene, die letzte im Jahreslauf noch fliegende Wildbienenart, ist auf den Efeu explizit angewiesen (Foto: U. Schwenk)

So bietet das Blattwerk im Frühjahr einen Unterschlupf für Insekten sowie Brutmöglichkeiten für Vögel wie etwa Amseln, Zaunkönige, Sommergoldhähnchen oder den Zilpzalp. Im Herbst kommt dem Efeu als Nahrungsquelle für Insekten eine hohe Bedeutung zu, denn er blüht von September bis spät in den Herbst hinein, wenn die meisten anderen Pflanzen verblüht sind und keinen nährreichen Nektar mehr bieten. Zu den zahlreichen Besuchern der Efeublüten in dieser Zeit gehören Schwebfliegen, Marienkäfer, Schmetterlinge wie der Admiral, Ameisen, Bienen, Faltenwespen, Solitärwespen oder Feuerwanzen. Allerdings: erst wenn der Efeu rund 20 Jahre alt geworden ist und nicht zu stark beschnitten wurde, bildet er Blüten aus. Im Winter sind dann die Beeren ein beliebtes Nahrungsangebot für Vögel wie bspw. Amseln, Drosseln oder Stare.

Efeu ist kein Schmarotzer

Viele Mythen ranken sich um den Efeu. Doch entgegen dem weitverbreiteten Glauben ist die Kletterpflanze kein Schmarotzer, sie entzieht den Bäumen weder Nährstoffe noch Wasser und sondert auch keine schädigenden Substanzen ab. Efeu braucht lediglich eine Stütze, um in die Höhe zu wachsen. Tatsächlich kann das üppige Wachstum des Efeus für kleine oder schwache Bäume ein Problem werden, wenn er sie überwuchert und ausdunkelt. Doch für ausgewachsene Bäume besteht keine Gefahr des Einbrechens und die Efeupflanze hat sogar eine positive Wirkung. So schützt ihr dichtes Blattwerk den Baum im Sommer vor direkter Sonneneinstrahlung und Verdunstung sowie im Winter vor Frost.

Dass der Efeu in den Baum einwachsen, ihn ersticken oder erwürgen könne, ist ebenfalls ein Irrtum. Genaue Beobachter werden feststellen, dass kein Einwachsen zu erkennen ist. Genauso gibt es keine Konkurrenz um Licht, da Efeu im Bereich der sogenannten Schattenkrone wächst, welche nur ein Drittel der Photosyntheseleistung des Baums ausmacht.

Auch innerstädtisch wertvoll

In der Innenstadt mit wenigen Freiflächen sind Efeuwände ebenfalls bedeutsame Kleinbiotope und Garanten für Artenvielfalt. Darüber hinaus besitzen sie herausragende positive lokalklimatische, luftreinigende und natürlich ästhetische Aspekte. Ähnlich wie bei Bäumen mildert das Efeulaub Temperaturextreme und filtert Feinstaub aus der Luft. Da die Pflanze wenige Ansprüche an Boden, Licht und Wasserversorgung stellt – nur zu trocken darf es nicht sein – wächst sie auch dort noch gut, wo kein Platz für Bäume ist. Aus ökologischer wie stadtklimatischer Hinsicht ist es daher ausgesprochen nachteilig, dass der Efeu bei der Grünpflege offenbar auf der Liste der unerwünschten Pflanzen steht und gnadenlos gekappt wird, wo immer er sich zu weit hinaufwagt.

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