Natur erleben in Corona-Zeiten für die ganze Familie: Der NABU-Holzweg

Natur erleben in Corona-Zeiten für die ganze Familie

Keine Exkursionen oder andere Gruppenveranstaltungen sind derzeit möglich. Immer wieder die gleiche Spazierrunde ist langweilig, immer die gleiche Aussicht. Jetzt gibt es endlich eine Abwechslung: Der NABU-Holzweg!

An der Ecke Burgstraße/ Dreiländerweg am Steppenberg geht es los. Ab hier könnt ihr ab sofort den Holzweg erkunden. Viel Spaß dabei! Bitte lasst das Holz an Ort und Stelle, damit möglichst viele ihn vollständig erleben können. Herzlichen Dank.

Wir freuen uns auf eure Bilder und Rückmeldungen:
umweltbildung@nabu-aachen.de

Hier findet ihr weitere Hintergrundinformationen zu den einzelnen Stationen:

Hecken

Eine Hecke aus heimischen Sträuchern bietet der Tierwelt über das ganze Jahr einen mehr oder weniger reich gedeckten Tisch. So lieben beispielsweise die scheuen Haselmäuse Brombeeren und Haselnüsse im Herbst. Im Frühjahr naschen sie dann an den Knospen. Im dichten Dorngebüsch von Schwarzdorn, Weißdorn und Heckenrose finden viele Vögel einen vor Fressfeinden und Witterung geschützten Nistplatz.

Auch sonst haben Hecken eine hohe Bedeutung im Haushalt der Natur, denn in ihrem Inneren und auf der Wind-abgewandten Seite bildet sich ein günstiges Kleinklima, sie filtern Staub, Schmutz und schädliche Abgase aus der Luft.

Für den Menschen bildet eine von Hecken gegliederte Landschaft einen ästhetischen Genuss und gleichzeitig einen hohen Jahreszeiten-Erlebniswert.

 

Flechten

Flechten sind faszinierende Doppelwesen aus Algen und Pilzen. Daher gehören sie nicht zum Reich der Pflanzen, sondern sind den Pilzen zugeordnet.

Da sie meist klein sind, sind selbst bunt gefärbte Arten schwer wahrzunehmen. Weltweit kommen rund 25.000 Flechtenarten (Mitteleuropa ca. 2000) vor.

Sie besiedeln selbst die rauesten Standorte, zum Beispiel nacktes Felsgestein. Jede alte Mauer oder Hauswand, wird nach Jahren von Flechten überzogen. Auch auf der Rinde älterer Bäume kommen sie vor.

Flechten besitzen keine Wurzeln, um sich mit Wasser zu versorgen. Stattdessen nehmen sie, ähnlich wie Moose, Wasser über ihre gesamte Oberfläche auf. Die beiden Partner Alge und Pilz leben in einer Symbiose, einer Lebensgemeinschaft, in der sie voneinander profitieren. Die Alge betreibt Photosynthese und produziert dabei Nährstoffe für den Pilz. Der Pilz hingegen bietet der Alge einen geeigneten Lebensraum. Er schützt sie vor Austrocknung, schädlicher Lichteinstrahlung, gibt der ganzen Flechte halt und versorgt sie mit Wasser und Mineralstoffen.
Gegenüber Luftverunreinigungen sind Flechten sehr empfindlich. Selbst geringe Mengen an Schwefeldioxid hemmen das Wachstum.

Flechten existieren in einem breiten Spektrum von Farben, das von Weiß, über leuchtendes Gelb, verschiedene Brauntöne, kräftiges Orange, Tiefrot, Rosa, Olivgrün, Blaugrün und Grau bis zu Tiefschwarz reicht.

Mehr als die Hälfte unserer heimischen Flechten werden laut „Roter Liste“ als gefährdet eingestuft. Sie bedürfen daher einer viel stärkeren Aufmerksamkeit, als ihnen bislang zu Teil wird.

Wildbienen

Häufig wird übersehen, dass sich unter dem allgemeinen Begriff „Bienen“ nicht nur die Honigbiene ( = 1 Art) verbirgt, sondern deutschlandweit rund 560 weitere, überwiegend solitär, also einzeln lebende Wildbienenarten.

Die Efeu-Seidenbiene, die letzte im Jahreslauf noch fliegende Wildbienenart, ist auf den Efeu explizit angewiesen (Foto: U. Schwenk)

Die Efeu-Seidenbiene, die letzte im Jahreslauf noch fliegende Wildbienenart, ist auf den Efeu explizit angewiesen (Foto: U. Schwenk)

Daher muss beim Blick auf „die Bienen“ aus Sicht des Arten- und Naturschutzes vor allem der Schutz der teilweise hochspezialisierten Wildbienen im Vordergrund stehen. Denn Wildbienenschutz nutzt immer auch der Honigbiene, Honigbienenschutz nicht immer aber den Wildbienen! In unserer ausgeräumten, blütenarmen Acker- und Wiesenlandschaft fehlen Nahrungspflanzen ebenso wie geeignete Niststrukturen, etwa offene Bodenflächen oder Altholz – also praktisch alles, was die heimischen Wildbienen zum Überleben brauchen!

Umso wichtiger sind extensiv genutzte Flächen wie die NABU-Streuobstwiese „Am Türmchen“.

Wildschweine

Wildscheine sind Allesfresser, intelligent und sehr anpassungsfähig. Mit ihrem kräftigen Rüssel wühlen die Allesfresser gerne nach unterirdisch gelegener Nahrung wie z.B. Wurzeln, Knollen und Bodentiere. Beliebt sind bei Wildschweinen aber auch Samen, Pilze und Tierkadaver. Deshalb gehören sie zur „Gesundheitspolizei des Waldes“.

Die bei uns lebenden Wildschweine werden 90 – 200 cm lang und 60 – 100 kg schwer. Ausgewachsen Keiler bringen auch schon mal bis zu 200 Kilogramm auf die Waage. Sie werden maximal 10 Jahre, in Gefangenschaft sogar bis zu 21 Jahre alt.

Bei uns ist das Wildschwein so gut wie flächendeckend verbreitet. Sie leben zusammen in einer Rotte. Angeführt wird die Rotte in der Regel von dem ältesten und erfahrensten Tier, der Leitbache. Außerhalb der Paarungszeit sind die männlichen Tiere (Keiler) Einzelgänger. Nur in den ersten Lebensmonaten leben sie auch mit in der Rotte. Eine Bache bringt ihre 4 – 6 Jungen von März bis Mai zur Welt. Die Frischlinge werden sehend und behaart geboren.

Geschützt im Wald zwischen engstehenden Bäumen oder unter dicht herabhängenden Zweigen rotten sie sich im Familienverband zusammen. „Kessel“ heißt so ein Ruheplatz.
Wildschweine verlassen heute viel öfter die Wälder als ursprünglich, kommen so auch in die Nähe der Menschen. Ein Grund dafür ist, dass die mitunter großen Populationen in ihren naturfernen, artenarmen Wäldern nicht mehr genug Futter finden. Zudem liegen Felder und Siedlungen dichter an den Wäldern. Das dort reichlich vorhandene Futter wie Mais, Raps oder Gartengemüse lockt die Borstentiere dann aus dem schützenden Wald.

Sehen können Wildschweine nicht besonders gut, dafür haben sie ein gutes Gehör und einen exzellenten Geruchssinn. Das längere Winterfell ist für die Tiere ein idealer Kälteschutz.

Fichtenzapfen

Oft sehen wir die Tiere, die im Wald, auf dem Feld oder in der Hecke leben nicht. Aber sie hinterlassen Spuren. Nicht nur Pfotenabdrücke sondern auch die Reste ihrer Mahlzeit geben uns Hinweise darauf, welches Tier hier am Werk war. Besonders markant sind die Fraßspuren an Nüssen oder Zapfen. Zwischen den Schuppen der Fichtenzapfen stecken die nahrhaften Samen. Jedes Tier geht einen anderen Weg, um an die Leckerbissen zu gelangen. Während der Specht den Zapfen mit seinem Schnabel und der langen Zunge bearbeitet, beißen Eichhörnchen und Mäuse die Schuppen ab. Die kleinen Mäuse nagen die Schuppen fein säuberlich ab, so dass nur die glatte Spindel zurück bleibt. Eichhörnchen mit ihren langen Nagezähnen sind viel gröber, an der Spindel hängen immer noch zahlreiche Faserreste.

Im Wald mit Fichten oder Kiefern kann man zu jeder Jahreszeit nach Zapfen mit Fraßspuren suchen, die Erfolgsaussichten sind recht gut. Mit etwas Glück findet man einen Platz, wo das Eichhörnchen gleich eine größere Menge Zapfen bearbeitet hat. Dazu sitzt es gerne auf einem Baumstumpf. Drumherum findet man dann auch große Mengen abgenagter Schuppen.

Totholz im Wald

Als Totholz bezeichnet man sowohl einzelne tote Äste an einem alten Baum, wie auch abgestorbene, stehende oder umgefallene Bäume oder Teile davon.

Stirbt ein Baum, so zieht sofort neues Leben ein. So zählt Totholz zu den lebendigsten Lebensräumen unserer Natur.

Es ist wie lebendes Holz wichtiger und wertvoller Bestandteil der Waldökosysteme. Eine Vielzahl von Lebewesen, wie Insekten, Vögel, Fledermäuse und Pilze, sind auf Totholz als Lebensgrundlage angewiesen, denn im morschen Holz leben viele Insekten, die wiederum die Nahrungsgrundlage für Vögel darstellen. In das weiche stehende Totholz zimmern Spechte gern ihre Höhlen, in die dann andere Vogelarten oder auch Fledermäuse als „Nachmieter“ einziehen.

Darüber hinaus bietet es Unterschlupf und ist Überwinterungsort für Blindschleichen, Eidechsen, Kröten, Insekten, Spinnen und weitere Tiere. Es dient für viele als Futterquelle und hält Baumaterial bereit, beispielsweise für Insekten.

Dabei sind Käfer nicht nur generell die artenreichste Insektengruppe, sondern auch die vielfältigste im Totholz. In Mitteleuropa sind 1340 verschiedene Insekten-Arten in mindestens einer Lebensphase auf Alt- und Totholz angewiesen.

Auch zartgeflügelte Hautflügler entwickeln sich im Holz. Es gibt verschiedene Wildbienen, die in Totholz ihre Bruten anlegen. Dazu gehören bestimmte Blattschneiderbienen oder die auf der „Roten Liste“ stehenden Holzbienen. Sie benutzen für ihre Bruten alte Käfergänge oder nagen selbst welche.

Baumschwämme an totem Holz beherbergen spezialisierte Käfer und Fliegen. Leider herrscht landläufig noch die Meinung vor, dass der Wald aus ästhetischen und forstwirtschaftlichen Gründen vom Totholz gesäubert werden müsse.

Efeu

Der Efeu ist ein immergrünes Klettergehölz. Durch Haftwurzeln ist der Efeu in der Lage an Bäumen, Zäunen oder Mauern emporzuranken. Dabei erklimmt er Höhen von 20 oder selten bis zu 30 Metern. Efeu kann mehr als 200 Jahre alt werden. Aber bis Efeu zur ersten Blüte kommt, dauert es allerdings 8 bis 10 Jahre.

Die in einer Halbkugel angeordneten, unscheinbar gelbgrünen Blüten sind völlig offen. Mit einer späten Blütezeit (September bis Oktober) ist der Efeu eine Besonderheit. Blüht die Kletterpflanze doch erst, wenn sonst nur noch wenige Nektarquellen zur Verfügung stehen. Alles was sechs Beine hat, von Ameisen über Fliegen, Wespen, Bienen, Schwebfliegen aller Art und Falter kommen im Herbst hier vorbei. Deshalb sollte blühender Efeu nicht beschnitten werden.

Die mittlerweile bei uns heimische Efeu-Seidenbiene hat sich sogar fast ausschließlich auf Efeu-Pollen für die Aufzucht ihrer Brut spezialisiert.

Auch nach dem Verblühen ist der Efeu eine wichtige Nahrungsquelle. Die im Winter blauschwarz heranreifenden Früchte werden vor allem von Staren, Amseln und anderen Vogelarten gerne gefressen.

Zwar sind sämtliche Pflanzenteile des Efeus giftig; man entdeckte aber schon früh die Wirkung des Efeus unter anderem als Hustenlöser. Auch heute noch wird er als Heilpflanze genutzt.

Stechpalme

Die Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium) ist Baum des Jahres 2021 und vielen eher als Gartenstrauch oder Weihnachtsschmuck bekannt. Der Ilex ist jedoch auch ein, wenn auch seltener, einheimischer Waldbaum, der in der Eifel und im Hunsrück gerne Walddistel genannt wird.

Der Rand von Blättern aus den unteren Bereichen der Pflanze ist auf beiden Seiten mit Stacheln versehen, die alternierend aufwärts und abwärts geneigt sind. Mit zunehmender Höhe der Pflanze lässt die Bestachelung nach und es treten vermehrt auch völlig stachelfreie Blätter auf. Trotz der wehrhaften Blätter wird vor allem im Winter das feste Laub vom Wild verbissen. Die immergrüne Stechpalme ist im Winter auch ein beliebter Schlafplatz für kleinere Vögel und Überwinterungsstätte für Zitronenfalter.

Wenn die blassweißen Blüten verwelken, bilden sich langsam die leuchtend roten Beeren. Sie bleiben bis weit in den Winter hinein am Strauch hängen und werden erst durch den Frost weich und gut verzehrbar für viele einheimische Vogelarten, wie Amseln und Drosseln, Rotkehlchen und Mönchsgrasmücken. Für sie sind die Früchte ein begehrtes Winterfutter, für andere Tiere können sie dagegen ein tödliches Gift sein. Die tödliche Dosis ist abhängig von der Größe des Tieres, bei einem Hund reichen unter Umständen schon zwei bis drei Beeren.

Steinkauz

Der Steinkauz (Athene noctua) ist im Rheinland unsere kleinste Eulenart. Sein Gefieder ist braun und hell gesprenkelt. Er hat gelbe Augen und ist vorwiegend dämmerungs- aber teilweise auch tagaktiv.

Diese gefährdete Eule besiedelt vorwiegend alte Streuobstwiesen und extensiv genutzte Weiden mit Kopfbäumen. Hier findet er sowohl ausreichend Nahrung als auch geeignete Bruthöhlen. Als Brutplatz werden neben natürlichen Baumhöhlen auch entsprechende Brutmöglichkeiten in alten Gemäuern oder auch künstliche Röhren angenommen. Als Nahrung bevorzugt der Steinkauz Kleinsäuger (Mäuse). Er erbeutet aber auch Kleinvögel, Insekten und sogar Regenwürmer.

Die Niederrheinische Bucht gilt als Verbreitungsschwerpunkt des Steinkauzes in Deutschland. Seit den 50er Jahren geht der Bestand des Steinkauzes in der Region, wie in ganz Europa kontinuierlich zurück. Die Hauptursache dafür ist die parallel verlaufende Zerstörung des Lebensraumes durch Flurbereinigung, Abholzung alter Streuobst- und Kopfbäume sowie Vernichtung ortsnaher Weideflächen durch Neubausiedlungen. Natürliche Verluste durch Räuber, wie Habicht und Marder, oder strenge, schneereiche Winter werden von einer stabilen Population schnell ausgeglichen.

Daher setzt sich der NABU für den Erhalt und die Neuschaffung geeigneter Lebensräume für den Steinkauz ein. In der Aachener Region gilt es insbesondere reichstrukturierte Grünlandflächen mit Kopfbäumen, Hecken und alte Obstbäumen zu sichern. Darüber hinaus müssen solche Strukturen wieder neu geschaffen werden. Da in den 60er bis 80er Jahren fast keine hochstämmigen Obstbäume gepflanzt wurden, ist das Anbringen künstlicher Brutröhren oftmals notwendig.

Der Steinkauz ist nach der Vogelschutzrichtlinie der EU geschützt.

Rote Liste NRW (2010): Gefährdet