Voller Einsatz für Seidenhemdchen und Kaiser Wilhelm

Trotz eisiger Kälte und schneidendem Wind fand am 9. Dezember der letzte Arbeitseinsatz der NABU-Naturschutzstation und des NABU-Stadtverbandes Aachen im Jahr 2017 statt.

Zehn neue Obstbäume alter regionaler Sorten, fachmännisch gebunden und geschützt vor Viehverbiss. Foto: Ulrich Schwenk

Fünfzehn fleißige ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, darunter mehrere Jugendliche, pflanzten auf einer Wiese in Orsbach unter Leitung von Dr. Manfred Aletsee und Marc Hoffmeister von der NABU-Naturschutzstation Aachen alte, für unsere Region typische Obstsorten. Darunter das Rheinische Seidenhemdchen, der Winterapfel „Kaiser Wilhelm“ und die inzwischen sehr seltene Münsterbirne.

Ein historischer Lanz-Traktor, von einem örtlichen Landwirt zur Verfügung gestellt, bot nicht nur einen ungewöhnlichen Blickfang, sondern ersparte den ehrenamtlichen Helfern auch das Schleppen der schweren Eichen-Spaltpfähle, mit denen die neuen Obstbäume fachkundig vor Viehverbiss geschützt wurden.

Heimische Obstsorten sollen erhalten bleiben

Bereits seit 1991, als der NABU-Stadtverband mit Unterstützung mehrerer Spender und des damaligen „Naturschutzprogramm Aachener Revier“ eine erste Wiese am Finkenhag bei Orsbach erwarb, pflanzt der NABU im ganzen Stadtgebiet neue Obstbäume alter regionaltypischer Sorten. Das Ziel ist, heimische Kostbarkeiten wie Aachener Hausapfel, Münsterbirne, Seidenhemdchen oder die Aachener Grauschale zu erhalten, denn leider ist ein deutlicher Rückgang der hochstämmigen Obstbäume alter Sorten zu verzeichnen.

Mit vollem Einsatz: NABU-Aktiver Adolf Graaf beim Bohren der Löcher für die Spaltpfähle. Foto: Claus Mayr

Die 2006 gegründete NABU-Naturschutzstation betreut inzwischen über 600 Obstbäume mit 70 alten Sorten, etwa zehn Prozent des gesamten Obstbaumbestandes in Aachen. Insgesamt pflegen der NABU und die NABU-Naturschutzstation mit ehrenamtlich Aktiven insgesamt etwa 40 Hektar Fläche, sowohl eigene NABU-Flächen als auch Flächen im Auftrag der Stadt und der NRW-Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege.

An den NABU-Obstwiesen am Dreiländerweg und am Finkenhag wurden im Rahmen der „Euregionale“ 2008 mehrere Info-Tafeln aufgestellt, auf denen die Besucher der Grenzrouten-Wanderwege  Wissenswertes über die ökologische Bedeutung von Streuobstwiesen und ihre typischen Bewohner wie den Steinkauz erfahren.

NABU-Aktive (links Arno Cymutta, rechts Martin Knörzer) beim Entladen der schweren Eichen-Spaltpfähle und Bindeseile. Foto: Claus Mayr