Vom Nager zum Klimaschützer: Biber machen die EU-Wiederherstellungsverordnung lebendig

Biber. Foto: NABU/Klemens Karkow

Internationaler Tag des Bibers

Vom Nager zum Klimaschützer: Biber machen die
EU-Wiederherstellungsverordnung lebendig

Der Biber kehrt zurück – und wird zum Schlüssel für Klimaschutz und
resiliente Flüsse

Berlin – Der Eurasische Biber ist zurück und mit ihm eine der größten Erfolgsgeschichten des Naturschutzes in Europa. Zum Internationalen Tag des Bibers am 7. April betont der NABU: Was einst fast ausgerottet war, wird heute zum Motor für Renaturierung und klimaresiliente Landschaften.

„Der Biber ist weit mehr als eine geschützte Art, er ist ein Architekt der Natur“, sagt NABU-Biber-Experte Jan Piecha. „Wo er wirkt, entstehen neue Feuchtgebiete, strukturreiche Gewässer und wertvolle Lebensräume für zahlreiche bedrohte Arten.“

Natürlicher Klimaschützer und Renaturierer 
Biber-Dämme speichern Wasser, stabilisieren Grundwasserspiegel und puffern Hochwasserspitzen. Sie verbessern die Wasserqualität, fördern Biodiversität und binden Kohlenstoff – schnell, effektiv und ohne technische Eingriffe.

Rückenwind durch EU-Wiederherstellungsverordnung 
Die EU-Verordnung rückt Renaturierung stärker in den Fokus. Der Biber kann als natürlicher Helfer Prozesse beschleunigen, neue Lebensräume schaffen und die Dynamik von Gewässerlandschaften fördern. „Die EU gibt den Rahmen vor und der Biber liefert einen Teil der Lösung direkt vor Ort“, so Piecha.

Altes Denken überwinden 
Lange galt: Wasser muss schnell abfließen. „Wir müssen Wasser wieder in der Landschaft halten, nicht ableiten“, sagt Piecha. „Der Biber zeigt, wie dezentraler Wasserrückhalt funktioniert und warum lebendige Flüsse der beste Hochwasserschutz sind.“

Gewässer in der Krise – Chance zur Wende 
Über 90 Prozent der Fließgewässer in Deutschland sind ökologisch in keinem guten Zustand. „Nicht der Biber ist das Problem, sondern der Zustand unserer Gewässer“, betont Piecha. „Seine Rückkehr zeigt, welch großes Potenzial in der Renaturierung steckt.“

Dr. Manfred Aletsee im Interview mit der WDR Lokalzeit im Biber-Erwartungsgebiet am Senserbach.

Nutzungskonflikte konstruktiv lösen 
Die Rückkehr des Bibers bringt auch Herausforderungen: Überflutete Äcker, Radwege oder Forstflächen können zu Konflikten führen. „Diese müssen wir frühzeitig erkennen und gemeinsam mit Landnutzenden aktiv angehen“, sagt Piecha. Maßnahmen wie Schutzvorrichtungen, Pufferzonen und angepasste Flächennutzung minimieren Schäden.

Der Blick auf die Bestandsentwicklung verdeutlicht die langfristige Aufgabe: Nachdem der Biber im 19. Jahrhundert fast ausgerottet war, kehrte er seit den 1960er/1970er-Jahren Schritt für Schritt zurück. Heute leben rund 40.000 Tiere in Deutschland. Beratungsangebote, Ausgleichsregelungen und Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Landwirtschaft, Forst und Kommunen sichern tragfähige Lösungen und die positiven Effekte des Bibers für Natur, Wasserhaushalt und Klima.

Jetzt handeln: Raum für lebendige Flüsse 
Der NABU fordert einen Kurswechsel im Gewässermanagement: mehr Raum, mehr Dynamik, mehr Natur. „Wir müssen unsere Gewässer wieder lebendig machen, um unsere Heimat und natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft zu erhalten“, sagt Piecha.

Für mehr Informationen zur EU-Wiederherstellungsverordnung siehe hier: Mehr Natur, mehr Lebensqualität

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