Wälder von morgen: nur bedingt naturnah, artenreich und klimaresilient

PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | NR 21/26 | 23. APRIL 2026

Wälder von morgen: nur bedingt naturnah, artenreich und klimaresilient

Freyenter Wald – Foto: Ulrich Schwenk

NABU NRW: Echter Neuanfang in der Forstpolitik durch heute vorgestellte Waldstrategie für Nordrhein-Westfalen bleibt aus

Düsseldorf: Das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat heute die neue Waldstrategie für Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf vorgestellt. Die Strategie will aufzeigen, wie die Wälder und die Waldbewirtschaftung im Klimawandel gestärkt werden können, um auch zukünftig die vielfältigen wichtigen Waldfunktionen in der Natur und für die Gesellschaft sicherzustellen. Der NABU NRW anerkennt das Bemühen der Ausarbeitung einer solchen Strategie, sieht aber den Fokus der Strategie zu deutlich weiter auf die wirtschaftliche Nutzung und die Holzproduktion gerichtet, erklärte die Vorsitzende des NABU NRW, Dr. Heide Naderer, anlässlich der Veröffentlichung.

Großflächige Fichtenmonokulturen, intensive Bewirtschaftung und die zunehmende Trockenheit infolge des Klimawandels haben den Wald massiv geschwächt. Davon zeugen unter anderem die ausgedehnten Kalamitätsflächen wie etwa im Sauerland. Das Land setzt in seiner Strategie vorrangig auf waldbauliche Maßnahmen zur Regeneration des Waldes. Die natürliche Wiederbewaldung als ein entscheidender Motor für Erholung und Stabilität unserer Wälder kommt jedoch deutlich zu kurz. Wo sich der Wald selbst entwickeln darf, entstehen stabile, artenreiche Mischwälder, die Hitze, Schädlingen und Extremwetter besser standhalten, so Naderer weiter. Diese natürlichen Prozesse zuzulassen wäre aus Sicht des Verbandes ein wichtiges Signal für einen echten Neustart in der Forstpolitik.

Darüber hinaus fordert der NABU NRW, heimische Waldgesellschaften landesweit stärker zu fördern nicht nur in Schutzgebieten. Nicht-heimische Baumarten sollten dort ausgeschlossen bleiben; außerhalb von Schutzgebieten seien ausschließlich europäische Arten zu verwenden. Ziel müsse sein, standorttypische Waldlebensgemeinschaften mit ihren zum Teil bedrohten Arten langfristig zu erhalten. Dazu gehörten auch der Schutz historischer Waldstandorte und ungestörter Rückzugsräume. Angesichts der gerade vom Land vorbereiteten Beiträge zur EU-Wiederherstellungsverordnung hätten wir uns gewünscht, konkrete Vorhaben auch in der Waldstrategie für unser Land wiederzufinden. Hier muss sicherlich noch nachgearbeitet werden, meinte Naderer.

Der NABU NRW begrüßte explizit, wie sich die Waldstrategie des Landes zu der zeitlich parallel stattfindenden dritten Änderung des Landesentwicklungsplans und dem dort festgehaltenen Vorhaben, die Umwandlung von Waldflächen für Infrastrukturprojekte zu erleichtern, verhält: Die Waldstrategie spricht die drohende Einschränkung der bestehenden Waldflächen durch eine weitere Fragmentierung der Landschaft deutlich an, die Biodiversität wie Klimaschutz gefährdet. Naderer: Wir erwarten, dass diese deutlichen Aussagen des Landwirtschaftsministeriums und der Waldbesitzerverbände auch in die laufenden Beratungen zur dritten Änderung des Landesentwicklungsplans einfließen.

Der NABU NRW wird im Rahmen des 7. NRW Naturschutztages am 25.4.2026 die „Zukunft des Waldes“aus Naturschutzperspektive beleuchten. Die Inhalte und Forderungen werden zeitnah auf www.nabu-nrw.de zu finden sein.

Der Freyenter Wald als Waldwildnisfläche gesichert (Foto: M. Aletsee)

Aachen: Der NABU-Stadtverband Aachen e.V. und die NRW-Stiftung haben ca. 57ha Wald im Aachener Süden erworben, um dort eine Waldwildnis wieder herzustellen. Alles Wissenswerte über dieses über dieses Projekt finden sie hier: Freyenter Wald

Pflegeeinsatz im Freyenter Wald – Foto Ulrich Schwenk

Vogelexkursion im Freyenter Wald – Foto: Ulrich Schwenk

Leuchtabend im Freyenter Wald – Foto: Martin Knörzer

Freyenter Wald: Ortsbegehung – Foto: Ulrich Schwenk

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